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Mit alten Unterhosen gegen den Turbokapitalismus

25. Januar 2012 Kommentare ausgeschaltet

Die Lektüre der Süddeutschen Zeitung ist nicht unbedingt an jedem Tag ein Vergnügen, insbesondere seitdem großzügig auf ein Lektorat verzichtet wird und damit so einiger gänzlich offensichtlicher Unsinn den Weg auf die Druckplatten findet. Wer der deutschen Sprache ein klein wenig mächtig ist, zuckt durchschnittlich auf jeder vierten Seite zusammen, jüngst erst bei der Überschrift Netanjahu droht Israel. Nein, selbst Peter Münch war zu dieser Headline nicht fähig, man hat schlicht Iran und Israel in einer Agenturmeldung verwechselt. Kann passieren und hat übrigens mal ganz wirklich nichts mit Antisemi- sondern nur mit Dilettantismus zu tun.

Aber darum soll es in der Hauptsache gar nicht gehen. Vielmehr ist am gleichen Tag die Seite 3 Stein des Anstoßes, der ins Rollen gebracht werden soll (natürlich kann die geneigte Leserin diesen Buchstabensample sofort der Xberg Dhirty6 Cru zuordnen): dass das kapitalistische Prinzip derzeit nicht völlig unumstritten ist, obwohl es immer noch alternativlos erscheint, hat sich bis in die Kinderzimmer der SZ-Praktikanten und –innen herum gesprochen. Eine Rebecca Casati schafft es, auf der traditionellen Hintergrundseite alle Irrungen, Wirrungen, ja kapitalistischen Unzumutbarkeiten unter der Überschrift Made in Germany zusammenzufassen und uns dennoch nicht gänzlich hoffnungslos zurückzulassen. Es geht um die in diesen schweren Zeiten fantastische Geschichte zweier fundamental unterschiedlicher Kerle, die in der Ära des „Turbokapitalismus“ (als etwas anderes kommt der Kapitalismus bei Rebecca nicht vor) etwas voll Verrücktes tun, nämlich die von den bösen Mächten der Globalisierung hinweggefegte schwäbische Textilherstellung wieder aufleben zu lassen. Da bleibt einem schier die Luft weg, zumal sich hier ein ganzer Wertewandel abzeichnet. Geiz war geil: Viele Jahre lag die Textilproduktion auf der Schwäbischen Alb unter der Globalisierung begraben. Zwei Männer schaffen mit der Manufaktur ‚Merz beim Schwanen’ einen Neuanfang. Eine Geschichte aus Deutschland.

In bester Uta-Danella-Manier beschreibt sie die beiden Unterhosenproduzenten. Der eine kommt aus Berlin, hat sich schon als Kind auf das Beste und Teuerste gestürzt (sagt zumindest seine Mutti) und ist bei einem Flohmarktbesuch auf irgendwelche alten Klamotten gestoßen. Die fand er so aufregend, dass er sie selbst produzieren wollte. Nicht mehr als irgendwelche Unterbüchsen natürlich, sondern als Lifestyle-Accessoires bei Manufaktum. Geschenkt. Er stößt auf irgendeinen spinnerten Schwaben, der Gefallen an alten Maschinen findet und eine Fabrik kauft, in der fortan Vintage- oder Industrial-Hemden hergestellt werden. So weit, so harmlos. Nun muss aber der „Made in Germany“-Slogan über dem Artikel irgendeinen Sinn machen, und da die Autorin nicht weiß, dass dieses Label zunächst als Warnung vor deutschen Produkten in England verwendet wurde, malt sie mithilfe blumiger Deutschland-wird-es-den-Turbokapitalisten-schon-zeigen-Prosa eine wirklich rührende Geschichte dieser beiden Gegner rationalisierter Produktionsprozesse. In einem Geschichtsforum entdeckt Rebecca, auf der Suche nach einer Erklärung, warum der ganze Kram auch noch gekauft wird und von wem, einen, wie sie es nennt: herrlich sonderbaren Menschen namens Dirk. Der fragt im Forum: ich besitze ein Adlerfahrrad aus dem Jahr 1937. Nun möchte ich mich passend zu dem Fahrrad kleiden… Wo könnte ich eventuell fündig werden?

Die einzig vernünftige Antwort auf ein derartiges Ansinnen ist natürlich der Verweis auf eine authentische Hakenkreuzbinde aus dem einschlägigen Versandhandel. Rebecca aber spürt diesem vermeintlich neuen Trend hinterher, indem sie das Ganze innerhalb einer Sehnsucht nach Sinn und Authentizität, nach Glaubwürdigkeit und Entschleunigung verortet. Und Recht hätte sie, würde sie nicht fortwährend diesen ganzen Wir-sind-die-besseren-Kapitalisten-Hokuspokus affirmieren. Die Dinge, die der Turbokapitalismus und die Global Players produzieren, können nun mal keine solchen Geschichten erzählen, zumindest keine, die man erträgt. Nun gut, von Marketing hat sie auch keine Ahnung, aber immerhin kümmert sich Rebecca im Folgenden ganz doll um die weltweiten Herstellungsprozesse im Textilbereich. Da gibt es nämlich ganz viel Ausbeutung und andere unschöne Dinge. RC folgert daraus: Solange es Billiglohnländer wie Bangladesch, Äthiopien oder Südkorea gibt, so lange wird es Ausbeutung und Unterdrückung geben. Zu dieser Behauptung respektive These müsste an dieser Stelle natürlich Stellung bezogen werden. Allerdings grübeln wir immer noch über den Sinn und vor allem über die notwendigen Konsequenzen. Sind unsere Truppen in Afghanistan eventuell mit den falschen Waffen am falschen Ort?

Gut, wir wollen uns wieder auf die berlin-baden-württembergische Textilproduktion konzentrieren. Wenden wir uns einmal Rudi, dem Schwaben zu. Oder gleich, wie Casati das tut, dem Schwaben an sich (nicht für sich). Für einen Schwaben, behauptet Casati sichtlich beeindruckt, ist Untätigkeit eine Art Diaspora, sie ist absolut unerträglich. Helfen bei einer derartigen Weltsicht lebende Gegenbeweise? Wahrscheinlich nicht, also Schwamm drüber. Rudi Loder hat übrigens eine Zeit lang Textilmanufakturen in den besagten Billiglohnländern aufgebaut, um Aldi und Lidl zu beliefern. Allerdings wurde er damit für Rebecca keinesfalls zum moralisch zu verurteilenden Expropriateur, im Gegenteil: Wenn Loder davon erzählt, wirkt er wie einer, der in den Schlund eines Monsters geblickt hat. Das wird schon aus biologischen Gründen nicht sein eigener gewesen sein.

Was eint die beiden so ungleichen deutschen Vorzeigeunternehmer, die das Ganze im Übrigen auch noch jenseits jeglichen Gewinnstrebens eher als Hobby betreiben? Beide haben deutsches Handwerk in der DNA sagt Casati über ihre zwei Lieblingsentrepreneure. Nun ist Rebecca nicht T. Sarrazin, sie weiß, so wollen wir ihr unterstellen, dass das schlechterdings biologisch ebenfalls nicht möglich ist. Metaphorisch natürlich schon, denn ihr geht es um der beiden Väter, die nach dem Krieg das Land wieder aufgebaut haben.

Wer an dieser Stelle dem Brechreiz standhält, kommt in den Genuss einer eindrucksvollen Schilderung des ersten Treffens der beiden Feinripp-Sacco-und-Vanzettis. Nach einem ersten Treffen wurden gleich mal nicht viel Worte gemacht, es wurden keine Konzepte geschrieben und keine Umsatzprognosen verfasst. Die beiden vertrauten einander instinktiv und kamen schnell überein, die Arbeiterwäsche wieder herzustellen,… So schön und unkompliziert kann der Kapitalismus sein, sofern man mal das Einmaleins der Betriebswirtschaft außen vor lässt und die Dinge um ihrer selbst Willen tut. Wenn das mal keine urdeutschen Tugenden sind.

Rebecca ist übrigens mit Frank, seines Zeichens Herausgeber der FAZ, verheiratet. Gerüchterweise wollte sie das Rührstück ursprünglich dort publizieren. Ihr Ehemann grübelt allerdings seit geraumer Zeit darüber nach, ob die Linke, was immer er sich darunter vorstellt, nicht doch Recht hat und lehnte in einem Anfall häuslicher Streitsucht ihr Ansinnen ab.
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Die Poesie der Auslassung

15. September 2011 Kommentare ausgeschaltet

Peter Münch, der große Lyriker in Diensten der Süddeutschen Zeitung, hat, wie er es im Moment fast täglich tun darf, die Situation im Nahen Osten „analysiert“. Seinen eindrücklichen Beschreibungen der Lebensrealitäten vor Ort mangelt es niemals an Empathie für die „unterdrückten Palästinenser“, er ist schließlich in Tel Aviv stationiert und weiß somit, wovon er spricht und schreibt. Bei ihm ist die Gaza-Flottille noch ein aufrechter Versuch, den geschundenen, Hamas wählenden und Israel von der Landkarte fantasierenden Bewohnern des Küstenstreifens beizustehen, weshalb er bei dem Begriff „Hilfskonvoi“ auch ohne Anführungszeichen auskommt. Münchs Stärke liegt bei der gesamten Thematik, die ja eine recht komplexe sein kann, in der Kunst der Auslassung, in der Reduktion auf jene Teile seiner Wirklichkeit, die der durchschnittliche SZ-Leser zu goutieren weiß.

Während die Palästinensische Führung, zumindest mal die Hälfte davon, die staatliche Anerkennung in der UN vorantreibt, ruft die Fatah zu einem „Tag des nationalen Kampfes“ auf. Münch darf und/oder muss darüber berichten und schon im Subtitel wird unmissverständlich klar gemacht, wer hier eigentlich wen bedroht: „Die Palästinenser im Westjordanland kündigen gewaltfreie Demonstrationen an, die israelischen Siedler rüsten sich mit Tränengas und Waffen“. Soweit, so Münch-typisch, und der Vorteil dieser „Berichterstattung“ ist dann natürlich, dass man den folgenden Artikel gar nicht zu lesen braucht, um sich mental auf die richtige Seite zu schlagen oder wahlweise an den Kopf zu fassen. Liest man den Bodytext dennoch, erlebt man ein Rührstück à la Tel-Aviv-Peter: Wir lernen Issa Amro kennen, einen aufrechten Aktivisten und Organisator des „gewaltlosen Widerstands“ in Hebron, der seines Zeichens aber auch ein ganz klein wenig Angst hat, dass das Ganze nicht so friedlich bleibt, wie das ganze Westjordanland und der Korrespondent der SZ es herbeiwünschen. Immerhin mobilisiert Israel ganze Reservisten-Bataillone und die Siedler… siehe Subtitel. Wenn es bei Pistol-Peter um mögliche Angriffe auf nahegelegene jüdische Siedlungen geht, wird es dagegen wohlig unbestimmt: sie „könnten sehr leicht in den Mittelpunkt der Proteste geraten“, einer Naturkatastrophe gleich. Oder weniger dramatisch: wie Ebbe und Flut. Keine Subjekte mehr, die Dinge initiieren, tun, bewusst in Angriff nehmen (im wahrsten Sinne des Wortes), nur noch Dinge, die geschehen. PM vergisst an dieser Stelle natürlich auch nicht zu erwähnen, dass die nächste und größte Siedlung, Kirjat Arba, international angeblich als illegal gilt und liefert somit schon im Vorfeld die Begründung für folgerichtige palästinensische Aktionen am nationalen Kampftag.

Weil die SZ aber wohl eine feine Trennlinie zwischen lediglich tendenziös und völlig durchgeknallt vorgibt, greift der ergriffene Nahost-Poet Münch in seine Trickkiste und zaubert „gewaltbereite Kräfte auf beiden Seiten“ aus dem Hut. Puuuh, so ist man wenigstens davor gefeit, wieder mit der „Antisemitismuskeule“ traktiert zu werden.

„…und in diesem Sommer hatten bereits zwei Demonstrationen an Israels nördlichen Grenzen in einem Blutbad geendet“ schreibt Münch dann kurz vor Ende seiner Reihung von Issa „the peace loving activist“ Amro-Zitaten, die doch eigentlich nur seine eigenen Wünsche spiegeln. Natürlich vergisst er, bei seinem Hinweis auf die beiden „Blutbäder“ den Kontext der versuchten Grenzerstürmung zu erwähnen. Man muss ja auch nicht alles auf einmal erzählen. Insofern kann man sich auf die nächsten Münchiaden freuen, sie kommen mit Sicherheit…
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