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Die Logik des Krawalls

14. August 2011 Kommentare ausgeschaltet

Warum schlagen Leute Schaufensterscheiben ein, sind an keinem guten Verhältnis zu Polizei und Staatsgewalt interessiert und können auf Nachfrage keine zitierfähigen Forderungen nennen? Wenigstens die Frankfurter Allgemeine am Sonntag hat einige einigermaßen vernünftige Anmerkungen zu den Vorgängen in England parat:

FAS:
Wo liegen die Ursachen der Randale in Großbritannien? Das britische Bildungsbürgertum spricht den Aufrührern alles Politische ab. Tatsächlich rufen die Randalierer in London keine politischen Parolen. Also alles nur Lust am Chaos?

Wenn es in den Weltmetropolen wieder mal knallt, wenn Scheiben splittern und Autos brennen, dann fragt der interessierte Teil der Menschheit nach den Ursachen für die Krawalle. In England ist die Diagnose bereits gestellt: Der Aufruhr sei schlichtweg das Resultat moralischer Verkommenheit, so ist es von rechts nach links quer durch das britische Bildungsbürgertum zu hören, das den Aufrührern alles Politische abspricht. Menschen, die das eigene Viertel abfackeln, statt die Vorgärten der Reichen umzupflügen. Pöbel, der Tante-Emma-Läden stürmt statt die Banken des Großkapitals. Plünderer, die sich im Rauch der Supermarkt-Ruine den Einkaufswagen vollpacken, anstatt im Pullunder politische Parolen vor das Parlament zu tragen, so wie sich das gehört: das sei das Gesicht des Nihilismus.

Nichts, aber auch gar nichts an den Randalen sei dem Umstand geschuldet, dass Britannien, eine Nation im Defizit, jüngst die schärfsten Haushaltskürzungen in seiner Geschichte beschlossen hat und einem Zeitalter der Austerität entgegenblickt. Kistenweise haben die Plünderer aus den eingeschlagenen Apothekenfenstern Durchfallpillen getragen, weil sie Imodium nicht von Amphetaminen unterscheiden konnten. Mangels Betroffenheit könne es diesen Leuten also kaum um die Verdreifachung der Studiengebühren gehen, höhnt es nun. Nicht Verelendung, sondern Lust am Chaos führe in Hackney und Croydon Regie.

Diese Logik ist seltsam. Wer die Ursachen von politisch motivierten Krawallen studiert, stellt fest: Wer mit Steinen wirft, muss zuvor nicht Brecht gelesen haben. Ob sich Menschen gewaltsam gegen den Staat auflehnen oder nicht, entscheiden zunächst allein zwei Faktoren: Das Risiko, verhaftet zu werden. Das ist in Städten wie London geringer als etwa auf dem Lande. Sekundenschnelle Kommunikation per Handy und Facebook vereinfacht die Zusammenrottung, was in England die Randale begünstigt hat. Die andere Triebfeder von Aufständen, hat der Harvard-Ökonom Ed Glaeser herausgefunden, ist Arbeitslosigkeit – dann ist die Gefahr, durch den zeitraubenden und riskanten Aufruhr Job und Gehalt zu verlieren, nicht gegeben. In England ist jeder fünfte Jugendliche arbeitslos.

Das Gesicht von Perspektivlosigkeit

Dass für deren Gewaltausbruch das Extremsparen der Regierung nicht die Ursache gewesen sei, wäre die empirische Ausnahme. Der Wirtschaftshistoriker Hans-Joachim Voth hat soziale Unruhen der vergangenen 90 Jahre in Europa untersucht. Ergebnis: Wenn der Staat seine Ausgaben um einen Prozentpunkt kürzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Demonstrationen, Aufständen und revolutionären Umstürzen kommt, um das Eineinhalbfache.

Dass die „Chavs“ in Hackney, die ungebildeten Jugendlichen in Jogginghosen, nicht von höheren Studiengebühren betroffen sind, weil sie nicht studieren, ist dabei unerheblich. Aufrührer müssen nicht zugleich Opfer sein. Vielmehr dürfte es sich um das Gefühl der Ungerechtigkeit einer immer undurchlässigeren Gesellschaft handeln, das der explosiven Stimmung den Boden bereitet: der Eindruck, abgehängt zu sein. Knallt es aus irgendeinem Grund, liefert das Sparprogramm der Regierung den Zündstoff, der auch das Nachbarhaus in Brand steckt. Das eigene Lebensumfeld zerstören wie in Hackney – das ist kein Nihilismus, das ist das Gesicht von Perspektivlosigkeit.

Die Abgehängten rufen keine politischen Parolen, tragen keine Transparente – was sollten sie darauf auch fordern? Zum bestehenden System, das ist seit 20 Jahren klar, gibt es keine Alternative, die eine Chance hat, verwirklicht zu werden. Auch die Finanzkrise hat daran nichts geändert, das hat mittlerweile auch der Dümmste begriffen – und reißt im Laden den Plasmafernseher von der Wand.

Sich holen, was zu kriegen ist. Das ist die Logik dieses Krawalls.
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