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Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Korrekturen am „Hinterland“

6. Januar 2011 Kommentare ausgeschaltet

Das „Hinterland-Magazin“ des bayrischen Flüchtlingsrates hat die jüngste Ausgabe Afrika gewidmet. Dabei liest man manche interessante Meinung und leider auch einigen Unfug.
So wird im Artikel „Panafrikanismus reloaded“ vom „Arbeitskreis Panafrikanismus München“ eine Neuauflage des Panafrikanismus vorgeschlagen, die im Prinzip die gleiche Leier des dagewesenen auflegt und nicht ohne alte Helden auskommt. Da wird das Loblied auf Kwame Nkrumah gesungen, der einst Ghana in die Unabhängigkeit geführt habe. Wie groß Nkrumahs Verdienst daran tatsächlich war, ist umstritten. Dass er das Land Goldküste nach dem alten Königreich Gana benannte war schon Ausdruck einer Großmannssucht, die sich im späteren Verlauf seiner Herrschaft ausprägte. Im Rahmen der „Unification“, das Hauptargument aller späteren afrikanischen Diktatoren, wurden Gewerkschaften aufgelöst und Jugendorganisationen zu staatstreuen Spitzelsystemen umfunktioniert. In der „Hinterland“ wird dies einfach verschwiegen:

„Nkrumah war ein unermüdlicher Streiter für die Befreiung des ganzen afrikanischen Kontinents von geistiger Sklaverei, politischer Fremdherrschaft und wirtschaftlicher Ausbeutung. Durch seine Bemühungen wurde die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, heute AU) gegründet. Nach Meinung Nkrumahs ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit nur durch die Einheit aller afrikanischen Länder möglich. Auf dem Gründungstreffen der OAU 1963 sagte er: „Die afrikanische Einheit ist in erster Linie ein politisches Königreich, welches nur durch politische Instrumente erreicht werden kann. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas wird ausschließlich innerhalb dieses Königreichs stattfinden und nicht andersherum.“

Wie ein solches Königreich funktioniert wurde spätestens 2009 in Ghana noch einmal demonstriert: Von einigen finanziell hörig gemachten Chiefs und Königen wurde Muama Gaddafi, der Diktator Libyens, zum „König von Afrika“ gekrönt. (1, 2) Die demokratische Mehrheit Ghanas wählte indessen den westlichen Antagonisten zum Popstar, Sexsymbol und virtuellen Präsidenten Afrikas: Barak Obama.

Die Parole „Africa Unite“ ist eine der Eliten und Afroromantiker. Der Mehrheit auf der Straße sind bereits die Nachbarregionen suspekt oder unbekannt, manche halten ihren Landstrich für ganz Afrika und Europa für ein Nachbarland. Sie wissen zudem genau, was sie von einer Regierung eines geeinten Afrika zu erwarten hätten: noch mehr Korruption. Auf den beliebten Kongressen werden vor allem „Wir“-Formeln gewälzt und autoritäre Charaktere durchdekliniert. Von einer Emanzipation der Individuen liest man wenig, es geht um „our culture“ und „Tradition“. Diese Parolen dichteten Afrika immer dort ab, wo es am reaktionärsten war und am lautesten hört man sie von jenen, die am meisten von der Ablenkung eines Klassebewusstseins hin zu einem nationalistischen panafrikanistischen Antiimperialismus und traditionalistischen Bauchpinseln und Zeremonienhubern profitieren. Ein wirklich fortschrittliches Afrika wird nicht geeint sein, sondern ein diversifiziertes, in dem Verschiedenheit ohne Angst möglich sein wird. Und dafür wiederum gibt es doch in nicht wenigen Staaten Afrikas starke Hoffnungen.

Ein anderer Artikel mit dem Titel „Arm, krank, abhängig“ täuscht ebenfalls über Realitäten hinweg. Richtig wird noch darauf verwiesen, dass Afrika nicht arm sei, sondern „verarmt“. Zu gut bekannt ist Nigerias Absturz von einer der größten Ökonomien der Welt zu einer pauperisierten Brutstätte von Gewalt und Korruption. Leider folgt die übliche Verschwörungstheorie:

„Die Massenmedien berichten nicht, worum es in vielen Konflikten wirklich geht, weil das die westliche Gesellschaft moralisch erschüttern würde. Es wird Krieg geführt, damit die Industrie weiter produzieren kann, damit die Waffen weiter verkauft werden, damit ihre Bevölkerung zur Arbeit gehen kann, damit ihre Bevölkerung zufrieden bleibt. So verhindert man Unruhe bei sich, damit man weiter regieren kann, oder um im kleinen Kreis, zum Beispiel der G8, die Welt weiter zu regieren. Es wird kaum berichtet, dass es im Kongo Kindersoldaten und -soldatinnen geben muss, damit die Kinder hier Handys tragen können. Die Hutu und Tutsi haben nicht ohne Grund gegeneinander gekämpft, aber es wird nicht über die Mitverantwortung der Regierungen in Deutschland, Frankreich, Belgien und der UNO geredet.“

Ein solcher Jargon macht noch jede afrikanische Gräueltat zum Agenten westlicher Interessen. Das entmündigt Afrikaner auf eine perfide Art und Weise: die Intelligenz und Kreativität, die für jene bösen Taten nötig ist, wird ihnen abgesprochen und den verschwörerischen Weißen zugeschlagen, die naive Afrikaner zu solchen entsetzlichen Taten regelrecht ausbilden müssten. Dieses naivisierte Bild Afrikas ist nicht weniger rassistisch als das jenes, das die Konflikte dort auf die Hautfarbe zurückführt: es blendet die Fähigkeit zur extremen Aggression aus, entmenschlicht Afrikaner zu passiven, Befehlsempfängern westlicher Verschwörungszentralen. Kein Kind „muss“ zum Kindersoldat werden, damit „die Kinder hier Handys“ haben. Abgesehen davon hat virtuell jeder Afrikaner und auch viele ihrer Kinder ein Mobiltelefon. Der Rohstoffreichtum bedeutet eben nicht Afrikas Fluch, weil die westlichen Demokratien ihr perfides Spiel damit treiben würden (was sie sicherlich auch taten und tun in ihrer Kollaboration mit afrikanischen Diktatoren), sondern weil Rohstoffe ohne angeschlossene Industrie eine starke Verteilungstendenz bedingen und staatliche Strukturen sowohl stärken als auch korrumpieren und dies erst recht, wenn die Einheits- und Harmonieideologie so stark ist wie in Afrika. Leider ist mit der Parole des Informationszeitalters und dem gleichzeitigen Fokus auf Rohstoffe wie Erdöl außer Acht geraten, was Marx und andere als wesentliche Grundlage für die Wertschöpfung herausstellen: Die Hinzufügung menschlicher Arbeitskraft zu Rohstoffen. Und die funktioniert gerade im Informationszeitalter über Industrien. Das immerhin hatte Nkrumah noch verstanden.

weiteres interessantes Material und gleichzeitig die Quelle dieses Textes:
nichtidentisches
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Böse Menschen haben keine Lieder…

4. Dezember 2010 Kommentare ausgeschaltet


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Was mit Medien! Das digitale Lumpenproletariat

29. Oktober 2010 Kommentare ausgeschaltet

Direkt nach Modeln ist der begehrteste Beruf aller Deutschen zwischen zehn und vierzig: Kabelschleppen beim WDR. Denn wenn man erst einmal ein Bein drin hat, dann ist man ganz nah am Nirwana der deutschen Geisteselite, dem Job, aus dem die Träume sind: Was mit Medien. Natürlich kommt man zum WDR nur, wenn man vorher bei der Zeit eine zeitlang am Kopierer stand und bei der Zeit am Kopierer stehen darf man nur, wenn die Mutter mit dem Leiter der Prekariatsabteilung im Kindergarten war. Oder aber man hat vorher beim SWR Toiletten geschrubbt, eine leicht zu erlangende Tätigkeit, hat man zuvor Tassen gespült beim Mitteldeutschen Rundfunk. Oder der Vater hat einst Skat gekloppt mit dem Leiter der Aufnahmeleitung, dann kann man auch auf das Drogenbesorgen für die Redakteure des Lokalblättchens verzichten. Es ist nicht leicht, zu den begehrten Fernsehsendern zu kommen, nicht einmal umsonst und das, obwohl es nicht ganz wenige Umsonststellen gibt im TV. Ralf Becker, Geschäftsführer des Medienconsultingunternehmens Mediarise, erläutert im Gespräch mit Meedia.de, dass „fast jeder vierte Mitarbeiter (…) Praktikant, Volontär oder freier Mitarbeiter“ sei. Freier Mitarbeiter heißt übrigens: frei von Rechten und guter Bezahlung.

Eine ganze Branche lebt von freiwilliger Umsonstarbeit – wäre das nicht auch ein Konzept für die Autoindustrie? Früher brauchte man für Sklaven noch Fußketten und Aufseher, heute reichen Motivational Speeches und die Möglichkeit, den Chef zu duzen. In meiner Kindheit waren Medien nicht verheißungsvoll, Fernsehen nicht besonders glamourös. Zwar gab es Showmaster, Showgirls und Showtreppen, aber alles sah aus, als sei es vom Bundesamt für Unterhaltung und Freizeitvergnügen konzipiert, vom Unterausschuss Bewegtbild vertagt und von der Arbeitsbrigade Frohes Schaffen schließlich zehn Jahre zu spät umgesetzt worden. Wir hatten ja nichts, nur die Spex. Und die haben wir nie verstanden.

Was macht also die Medien so verführerisch? Geld kann es nicht sein. Es ist die ungeheure Identifikation mit der Tätigkeit, der niemals enden wollende Spaß. Denn Spaß und Identifikation, das sind in einer unterfinanzierten Zeit die neue Leitwährungen. Geldfluss wird zum Ausnahmefall.

Erstaunlich klassisch geht es bei Textprovider zu, der Agentur, die für das Portal Einkaufswelt von T-Online tausend fingierte Nutzerkommentare verfasst hat.

Dort wird eine Leistung (Zitat aus der Unternehmensdarstellung von Textprovider: „Die Texte müssen nach einem bestimmten Leitfaden (Briefing) erstellt werden, welches Sie in der ersten Mail erhalten. Sie sollen beispielsweise eine bestimmte Länge aufweisen (…) oder eine gewisse Anzahl von Keywords beinhalten. Diese Keywords werden von unseren Kunden vorgegeben und entsprechen in der Regel den Suchbegriffen, die Suchende im Internet in das Suchfeld bei Suchmaschinen (z.B.: Google) eingeben.“) gegen Geld getauscht (Zitat: „Wie ist das mit der Bezahlung?– Geld gegen Vorlage“). Echtes Geld! Gegen Worte! Viel Geld wird es nicht sein, aber dafür ist immerhin die Berufsbezeichnung der Keywordauflister: Texter und Lektoren. Warum nicht gleich Großsschriftsteller und intellektueller Vorreiter?

Der Trend zur bargeldlosen Berufsarbeit hat durch das Web 2.0 einen gewaltigen Schub erhalten. Für zwei Jahre hat mein Freund K. bei einem Online-Magazin gearbeitet. Sein Chef hatte einen Messias-Komplex und beherrschte den Tom Sawyer-Trick. Tom Sawyer macht seinen Freunden weis, er mache die Arbeit an dem Zaun, den seine Tante Polly ihn zur Strafe streichen lässt, mit großer Freude. Am Ende hat er einen gut erhaltenen „Drachen, eine tote Ratte, zwölf Murmeln, eine blaue Glasscherbe zum Durchsehen und vieles mehr.“ Alles Reichtümer, die seine Freunde ihm überlassen haben für das Privileg, den Zaun streichen zu dürfen.

K. war unwahrscheinlich stolz, für dieses Magazin zu arbeiten. „Ich bin Teil einer Medienrevolution“, sagte er damals. Das einzig Revolutionäre an dem Magazin war, dass allein der Chef daran verdiente.

K. tüftelte tagein tagaus an der Seite und wurde mit einem Bürostuhl belohnt. Er schrieb kleine Artikel und bekam Applaus, manchmal gab es auch ein High Five. Die Zahl der Klicks war sein Lohn, die freundlichen Kommentare sein Brot.

Dann fiel im irgendwann auf, dass man Kommentare nicht essen kann und er fragte Tom Sawyer, ob er nicht einen Anteil an den Werbeeinnahmen haben könne. „Immer geht es nur ums Geld“, seufzte Tom und schaute auf seine iPhones. Dann rechnete er Karsten aus, dass der Point of Even noch nicht erreicht sei, es aber nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis sie Spiegel Online überholt hätten. Und ob er nicht einen Riesenspaß hätte. „Du bist doch vorher auch zurecht gekommen, nimm doch jetzt die blöde Kohle nicht so wichtig, Dicker.“

Was Tom Sawyer im Kleinen machte, betreibt Arianna Huffington im großen Stil. Für ihr Blog Huffington Post schreiben über 3000 Blogger. Umsonst. Aus Enthusiasmus. Tretmühlen werden zu Jahrmarktsattraktionen. Autoren schreiben angeblich schlechter, wenn sie bezahlt werden. Allerdings vermieten Vermieter auch nachweislich schlechter, wenn sie nicht bezahlt werden. Ein ganz normaler Deal zwischen Online-Magazin und Autor sieht heute so aus: Ein Sponsor zahlt Hotel- und Reisekosten zu einem Ereignis, das Online-Magazin verlost die Möglichkeit, das Ereignis journalistisch zu begleiten, der Autor bewirbt sich öffentlich in den Kommentaren und wenn er Glück hat, dann darf er zu dem Ereignis fahren und darüber berichten. So sind alle glücklich: Der Magazinbetreiber bekommt kostenlose Artikel, der Sponsor gilt als Samariter und der Autor kann reisen, umsonst übernachten und auch noch da sein, wo er hinwill.

Die Artikel sind bei dieser Entstehungsgeschichte natürlich irgendwo zwischen so-la-la und unlesbar, aber mit etwas Suchmaschinenoptimierung kommen sowieso 50% der früher sogenannten Leser über Google, sehen, dass sie hier nicht das finden, was sie suchen und verschwinden wieder. Macht nichts, auch sie sind ein Klick. Geld fließt bei dieser Arbeitsweise natürlich nur zum Betreiber, aber Geld wird eben auch völlig überbewertet.

Vielleicht haben wir den Pyramidenbau ganz und gar falsch gesehen. Wahrscheinlich waren das keine Sklaven, die da die Steinquader transportierten. Das waren Bauern, die es einfach wunderbar fanden, an etwas Großem mitzuwirken.

(gesehen auf www.faz.net)

Freiheit für Doğan Akhanlı, einem Kämpfer für Völkerverständigung, Menschenrechte und gegen Antisemitismus

30. September 2010 Kommentare ausgeschaltet

Auch ThinkTank34 schließt sich dem Aufruf von haGalil an! (Aufruf findet sich im Artikel)

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KategorienAllgemein, Politischer Islam Tags:

Ein schönes Wochenende trotz Regen wünscht ThinkTank34 mit dem A-Team und Hey Ayatollah, Leave Those Kids Alone!

13. August 2010 Kommentare ausgeschaltet

Der ganz normale deutsche Wahnsinn

4. August 2010 Kommentare ausgeschaltet

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KategorienAllgemein, Antideutsches Tags:

Kick Homophobia out of Football

20. März 2010 Kommentare ausgeschaltet

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Meinungsfreiheit für Blogger weltweit – March 18 Kampange

27. Juni 2009 Kommentare ausgeschaltet

March 18

The March 18 Movement was born out of a tragedy. On this day in 2009, Omid Reza Mir Sayafi, Iranian blogger and journalist, died in Evin Prison in Tehran. The December before his death, he was sentenced to two and half years in prison for allegedly insulting religious leaders, and engaging in “propaganda” against the Islamic Republic of Iran. Omid Reza was the first blogger to die in prison and his death reveals that getting censored is far from the worst thing that can happen to a blogger.

www.march18.org

KategorienAllgemein, Iran, Politischer Islam Tags:

Mampftag der Economy-Class

14. Mai 2009 Kommentare ausgeschaltet

Von Johanna Doe

2000 Fuß über dem Nordpol ertönt eine musikalisch untragbare Version der „Internationale“. Das kommt davon, wenn man zwei Linke, oder Ex-Linke – je nachdem wen man in der Causa hört – am 1. Mai mit der Bourgeoisie in die Arktis fliegen lässt. Sollten sie doch eigentlich zu Hause Autos anzünden, Sprechchöre bilden und rote, schwarze oder blau-weiße Fahnen schwenken.

So aber stoßen die beiden – nennen wir sie der Einfachheit halber Genossen – mit einem Piccolo Champagner auf den nördlichsten Punkt der Erde an. Fröhlich vereint mit Dieter dem Notar, Karl-Heinz dem Industriellen und Elke der Reisekauffrau. Dann versuchen sie wieder, über den Lehnen der glücklichen Fenster-Sitzer hängend, ein paar Blicke auf das arktische Eis zu erhaschen.

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Schon wieder etwas Gewaltiges!“, verkündet Karl-Heinz und presst die Kamera mit dem Riesenobjektiv an die Scheibe. Was man sieht, ist vor allem Weiß. Weiß mit ein paar Rissen, Tendenz schrumpfend, in 60 Jahren weg. Das sagt zumindest der wunderhübsche Klimaforscher aus Rom, das ökologische Gewissen der „Deutschen Polarflug“. Über die Monitore in der Kabine berichtet er aus dem Cockpit live vom Klimawandel. Zum Dahinschmelzen – schwärmt die Genossin, der Genosse muss sich an den Kopf fassen.

Für Unterhaltung ist gesorgt, während der Rundflug AB 1111 zwölf Stunden lang über die demonstrierenden Arbeiter und Fischer von Trondheim, Tromsö, Barentsburg und Reykjavik hinwegdonnert. Unter großem Aufwand wird etwa ein Live-Call zur Polarstation unten in der Eiswüste geschaltet. Der erste Versuch bricht in einer Art Gewehrfeuer ab. Bei zweiten schaltet sich etwas ein, das klingt wie die norwegische Variante des Jugend-Verstehers Domian. Der dritte klappt. So erfahren die etwa 300 „Exkursionsteilnehmer“ dass es unten recht kalt ist, sonst aber ganz okay. Und dass man als Polarforscher ab und zu mal einen Wetterballon steigen lässt, das macht Spaß.

Beim angedeuteten Landeanflug auf Spitzbergen, wir Fachleute nennen das „Flightseeing“, erhält die Kaffeefahrt für Schon-alles-gesehen-Haber eine anarchistische Komponente. Die revolutionären Massen auf den billigen 666-Euro-Plätzen in der Mitte werfen ihre Sicherheitsgurte von sich und drängen an die Fenster. Es entwickelt sich ein fröhliches Hin- und Her, je nachdem wo gerade ein Eisbär oder – denn nur das ist wahr – ein Eisberg zu sehen ist. Zu Krabben-Cocktail und Hirschbraten fließt Alkohol in Strömen, bis selbst der 1799-Euro-Fenster-Sitzer, der auf Grönland „Felsformationen wie im Rheinland“ entdeckt, sympathisch wirkt, und unsere Genossen in irres Kichern ausbrechen, sobald jemand „Tromsö“ sagt.

In alkoholischer Hinsicht zumindest unterscheidet sich dieser 1. Mai kaum von den letzten oder den kommenden. Nächstes Jahr ist wieder das Pflichtprogramm angesagt: revolutionäres Sehenundgesehenwerden. Vielleicht einen Nazi verhauen. Und sich die Welt schön trinken und zwar so lange, bis der DGB eine revolutionäre Organisation und „Tromsö“ wieder das komischste Wort der Welt ist.

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Ahmed & Salim

13. Februar 2009 Kommentare ausgeschaltet

Der wahre „Clash der Kulturen“:

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