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Böser Bube ohne Ahnung

10. Juni 2012 Kommentare ausgeschaltet

In der Jungle World, Nr. 23, vom 7.6. versucht sich die Wochenzeitung unter der Überschrift Böse Buben ohne Leiche an einem Artikel zur so genannten Rockerkriminalität.

Statt Hybrid-Terror: Null-Emissions-Fahrzeug

Statt Hybrid-Terror: Null-Emissions-Fahrzeug

Es ist sicherlich eine gute Idee, die aktuellen staatlichen Aktionen gegen Rockergruppen und die damit verbundene Berichterstattung in der bürgerlichen Presse zusammenzufassen und politisch einzuordnen. Nicht so gut allerdings ist es, einen derartigen Bericht von jemandem verfassen zu lassen, der weder Ahnung vom eigentlichen Gegenstand hat, noch sich offenbar die Mühe machte, einen Blick in die gescholtenen bürgerlichen Medien zu wagen. Vom Heranziehen einschlägiger Materialien, beispielsweise der Zeitschrift Bikers News, und eigener Recherche mal ganz abgesehen. Hätte sich Herr Malachowski doch wenigstens an einige Standards journalistischer Grundregeln gehalten: wenn er von einem „mutmaßlichen Mord“ schreibt, so hätte das Attribut „mutmaßlich“ auch bei seiner Unterstellung, das Opfer, Tekin Bicer, sei „Drogenhändler“, nicht geschadet. Die Aussage zu dem Fall stammt nicht, wie Malachowski schreibt, von einem ehemaligen Hells Angel, sondern von dem ehemaligen Präsidenten der Legion 81, Kiel, einem mittlerweile verbotenen Supporters-Club der Hells Angels. Das ist, auch wenn der Autor das wohl nicht durchdringt, ein Unterschied. Völlig blödsinnig gerät dann die Aufzählung der Gruppierungen, die unter einem angeblich „hysterischen“ medialen und politischen Diskurs leiden. Was soll dort die Erwähnung der Mongols? Weil die in der Szene wichtiger sind als beispielsweise der immer noch größte deutsche Club, MC Gremium? Herrje! Und: die „Nomads“ sind keine eigene Rockergruppe, sondern die Bezeichnung für nicht ortsgebundene Chapter respektive Charter. Das hätte MM in Wikipedia nachschlagen können.
An sich könnte man solcherlei Fehler vernachlässigen, wäre nicht der gesamte Tenor des Artikels und auch die angebotenen Schlussfolgerungen von ähnlich zweifelhafter Qualität. Die Berichterstattung der bürgerlichen Presse ist natürlich von Übertreibungen und Ahnungslosigkeit geprägt, aber insgesamt durchaus ambivalent. Neben teils grotesken Märchen über die gewaltbereite Rockerszene gibt es doch immer wieder auch den Topos des eigentlich anständigen, etwas rauhen Gesellen, den die Presse zum Gangster stempelt, obwohl er doch nur seine eigenen Wertvorstellungen leben möchte. Und das mit Gleichgesinnten in einer innigen Männer-Gemeinschaft. Welche Werte das sind, machte der in dem JW-Artikel erwähnte Frank Hanebuth in einem BILD-Interview Anfang Juni deutlich: „Es gilt: Ein Mann, ein Wort. Wir stehen zu konservativen Werten, Ehrlichkeit, Treue, die Frau des anderen wird respektiert.“. Man muss nicht einmal ins Detail des Rotlicht-Engagements der 1%er-Clubs gehen, um zu verstehen, dass der Respekt für Frauen sich fast ausschließlich in Verbindung mit Besitzverhältnissen manifestiert. Und man kann daraus zumindest erahnen, warum es in einigen Clubs – beileibe nicht nur bei den Hell Angels – eine ganze Reihe von Faschisten gibt, obwohl sich doch alle ständig von Nazis distanzieren. Leider hat die Jungle World der, nennen wir es einmal vorsichtig, romantisierenden Vorstellung derartiger Strukturen nichts Elementares hinzuzufügen. Schade. Vorschlag zur Güte: Der Autor macht einen Motorradführerschein, fährt zwei Jahre ein einigermaßen ansehnliches Zweirad, liest sich in der Zwischenzeit in das Thema ein, spricht mit echten Membern von echten MCs, kann uns danach den hier verwendeten Begriff der 1%er erklären und hat dann auch sein Soziologiestudium erfolgreich beendet. Wäre das was?

Mit „Triumph“alen Grüßen (Herr M.: das ist eine englische Motorradmarke…)
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Das Prinzip Sippenhaft

5. April 2012 Kommentare ausgeschaltet

13.032 Personen sind als Sport-Gewalttäter registriert. Oft trifft es Unschuldige. Die Datensammelwut ist unverhältnismäßig und intransparent, kommentiert C. Spiller in der Zeit:

Fußballfans haben derzeit einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, wie selbst Innenminister Hans-Peter Friedrich kürzlich feststellte. „99,9 Prozent der Fans sind friedlich. Das dürfen wir bei unseren Maßnahmen nicht aus den Augen verlieren, sie müssen angemessen, zumutbar und gerecht sein“, sagte er. Klingt vernünftig, nur halten sich die staatlichen Sicherheitsorgane nicht daran.

Eine zentrale Maßnahme gegen Fan-Gewalt, die Datei Gewalttäter Sport, widerspricht dem Minister in jedem Punkt. Sie ist unangemessen, unzumutbar und ungerecht.

13.032 Personen sind in der zentralen Verbunddatei gespeichert, erklärte die Bundesregierung am Dienstag. All diese Personen sollen vor, während und nach Fußballspielen durch Gewalt oder andere Delikte auffällig geworden sein. Das reicht von der Beleidigung bis zum Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Die Zahl klingt dramatisch, ist sie aber nicht. Wer schaut, wie sie zustande kommt, erkennt warum: Es kann jeden Besucher eines Fußballspiels treffen. Es reicht, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Verdächtig ist schon, wer sich nur in der Nähe eines begangenen Deliktes aufhält. Wer in einem Block steht, aus dem ein Böller geworfen wird oder in dem es eine Rangelei mit Ordnungskräften gibt, muss damit rechnen, seine Personalien angeben zu müssen und später in der Datei zu landen, auch wenn er mit dem Vorfall nichts zu tun hat. Es herrscht das Prinzip Sippenhaft.

Nun wäre es das Mindeste, dass solche Einträge gelöscht werden, wenn den Betroffenen keine Straftat nachgewiesen werden kann. Doch das passiert nicht. Die Daten können gespeichert bleiben, die Daten von Unschuldigen. Zudem wissen die Betroffenen oft nicht, dass ihre Daten überhaupt erhoben worden sind, legen deswegen keine Rechtsmittel dagegen ein. Einige bemerken gar nicht, dass sie auf der Liste stehen. Sie könnten es erst merken, wenn sie bei Verkehrskontrollen besonders ausführlich kontrolliert werden, sie an der Grenze zum Urlaubsland wieder heimgeschickt werden oder, im Extremfall, an ihrem Arbeitsplatz Besuch von einem Beamten erhalten, der sie darauf hinweist, sie mögen sich beim Fußballspiel am Wochenende doch benehmen. Gefährderansprache nennt man das.

Lorenz Caffier, seit Januar der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, plant nun sogar, Gesichtsscanner einzusetzen, um Erfassten den Zutritt ins Stadion zu verwehren. Sein Bundesland, Mecklenburg-Vorpommern, tüftelt an einer Machbarkeitsstudie. Ein Albtraum für Fans und Datenschützer.

Schon vor zwei Jahren geriet die Gewalttäter-Datei, die… hier weiterlesen
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„Heimat“ ist eine zweifelhafte Kategorie,…

13. Februar 2012 Kommentare ausgeschaltet

…weil ihr diffuses „Wir“ meistens auf Kosten des Verstandes geht.

Es geht in der gleichen Tageszeitung, der SZ, eben auch manchmal klug zur Sache. Zumindest wenn der Autor Thomas Steinfeld heißt. Das Zitat stammt aus einer lesenswerten Reportage der Wochenendbeilage Mitte Februar über die Einwanderung chinesischer Textilarbeitskräfte nach Italien.

Wie eigentlich immer, wenn etwas von Belang veröffentlicht wird, ist der besagte Artikel auf der SZ-Webseite nicht zu finden und kann daher nicht verlinkt werden. Trotzdem sollte bezüglich der Süddeutschen Zeitung auch mal etwas Positives vermerkt werden…
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Mit alten Unterhosen gegen den Turbokapitalismus

25. Januar 2012 Kommentare ausgeschaltet

Die Lektüre der Süddeutschen Zeitung ist nicht unbedingt an jedem Tag ein Vergnügen, insbesondere seitdem großzügig auf ein Lektorat verzichtet wird und damit so einiger gänzlich offensichtlicher Unsinn den Weg auf die Druckplatten findet. Wer der deutschen Sprache ein klein wenig mächtig ist, zuckt durchschnittlich auf jeder vierten Seite zusammen, jüngst erst bei der Überschrift Netanjahu droht Israel. Nein, selbst Peter Münch war zu dieser Headline nicht fähig, man hat schlicht Iran und Israel in einer Agenturmeldung verwechselt. Kann passieren und hat übrigens mal ganz wirklich nichts mit Antisemi- sondern nur mit Dilettantismus zu tun.

Aber darum soll es in der Hauptsache gar nicht gehen. Vielmehr ist am gleichen Tag die Seite 3 Stein des Anstoßes, der ins Rollen gebracht werden soll (natürlich kann die geneigte Leserin diesen Buchstabensample sofort der Xberg Dhirty6 Cru zuordnen): dass das kapitalistische Prinzip derzeit nicht völlig unumstritten ist, obwohl es immer noch alternativlos erscheint, hat sich bis in die Kinderzimmer der SZ-Praktikanten und –innen herum gesprochen. Eine Rebecca Casati schafft es, auf der traditionellen Hintergrundseite alle Irrungen, Wirrungen, ja kapitalistischen Unzumutbarkeiten unter der Überschrift Made in Germany zusammenzufassen und uns dennoch nicht gänzlich hoffnungslos zurückzulassen. Es geht um die in diesen schweren Zeiten fantastische Geschichte zweier fundamental unterschiedlicher Kerle, die in der Ära des „Turbokapitalismus“ (als etwas anderes kommt der Kapitalismus bei Rebecca nicht vor) etwas voll Verrücktes tun, nämlich die von den bösen Mächten der Globalisierung hinweggefegte schwäbische Textilherstellung wieder aufleben zu lassen. Da bleibt einem schier die Luft weg, zumal sich hier ein ganzer Wertewandel abzeichnet. Geiz war geil: Viele Jahre lag die Textilproduktion auf der Schwäbischen Alb unter der Globalisierung begraben. Zwei Männer schaffen mit der Manufaktur ‚Merz beim Schwanen’ einen Neuanfang. Eine Geschichte aus Deutschland.

In bester Uta-Danella-Manier beschreibt sie die beiden Unterhosenproduzenten. Der eine kommt aus Berlin, hat sich schon als Kind auf das Beste und Teuerste gestürzt (sagt zumindest seine Mutti) und ist bei einem Flohmarktbesuch auf irgendwelche alten Klamotten gestoßen. Die fand er so aufregend, dass er sie selbst produzieren wollte. Nicht mehr als irgendwelche Unterbüchsen natürlich, sondern als Lifestyle-Accessoires bei Manufaktum. Geschenkt. Er stößt auf irgendeinen spinnerten Schwaben, der Gefallen an alten Maschinen findet und eine Fabrik kauft, in der fortan Vintage- oder Industrial-Hemden hergestellt werden. So weit, so harmlos. Nun muss aber der „Made in Germany“-Slogan über dem Artikel irgendeinen Sinn machen, und da die Autorin nicht weiß, dass dieses Label zunächst als Warnung vor deutschen Produkten in England verwendet wurde, malt sie mithilfe blumiger Deutschland-wird-es-den-Turbokapitalisten-schon-zeigen-Prosa eine wirklich rührende Geschichte dieser beiden Gegner rationalisierter Produktionsprozesse. In einem Geschichtsforum entdeckt Rebecca, auf der Suche nach einer Erklärung, warum der ganze Kram auch noch gekauft wird und von wem, einen, wie sie es nennt: herrlich sonderbaren Menschen namens Dirk. Der fragt im Forum: ich besitze ein Adlerfahrrad aus dem Jahr 1937. Nun möchte ich mich passend zu dem Fahrrad kleiden… Wo könnte ich eventuell fündig werden?

Die einzig vernünftige Antwort auf ein derartiges Ansinnen ist natürlich der Verweis auf eine authentische Hakenkreuzbinde aus dem einschlägigen Versandhandel. Rebecca aber spürt diesem vermeintlich neuen Trend hinterher, indem sie das Ganze innerhalb einer Sehnsucht nach Sinn und Authentizität, nach Glaubwürdigkeit und Entschleunigung verortet. Und Recht hätte sie, würde sie nicht fortwährend diesen ganzen Wir-sind-die-besseren-Kapitalisten-Hokuspokus affirmieren. Die Dinge, die der Turbokapitalismus und die Global Players produzieren, können nun mal keine solchen Geschichten erzählen, zumindest keine, die man erträgt. Nun gut, von Marketing hat sie auch keine Ahnung, aber immerhin kümmert sich Rebecca im Folgenden ganz doll um die weltweiten Herstellungsprozesse im Textilbereich. Da gibt es nämlich ganz viel Ausbeutung und andere unschöne Dinge. RC folgert daraus: Solange es Billiglohnländer wie Bangladesch, Äthiopien oder Südkorea gibt, so lange wird es Ausbeutung und Unterdrückung geben. Zu dieser Behauptung respektive These müsste an dieser Stelle natürlich Stellung bezogen werden. Allerdings grübeln wir immer noch über den Sinn und vor allem über die notwendigen Konsequenzen. Sind unsere Truppen in Afghanistan eventuell mit den falschen Waffen am falschen Ort?

Gut, wir wollen uns wieder auf die berlin-baden-württembergische Textilproduktion konzentrieren. Wenden wir uns einmal Rudi, dem Schwaben zu. Oder gleich, wie Casati das tut, dem Schwaben an sich (nicht für sich). Für einen Schwaben, behauptet Casati sichtlich beeindruckt, ist Untätigkeit eine Art Diaspora, sie ist absolut unerträglich. Helfen bei einer derartigen Weltsicht lebende Gegenbeweise? Wahrscheinlich nicht, also Schwamm drüber. Rudi Loder hat übrigens eine Zeit lang Textilmanufakturen in den besagten Billiglohnländern aufgebaut, um Aldi und Lidl zu beliefern. Allerdings wurde er damit für Rebecca keinesfalls zum moralisch zu verurteilenden Expropriateur, im Gegenteil: Wenn Loder davon erzählt, wirkt er wie einer, der in den Schlund eines Monsters geblickt hat. Das wird schon aus biologischen Gründen nicht sein eigener gewesen sein.

Was eint die beiden so ungleichen deutschen Vorzeigeunternehmer, die das Ganze im Übrigen auch noch jenseits jeglichen Gewinnstrebens eher als Hobby betreiben? Beide haben deutsches Handwerk in der DNA sagt Casati über ihre zwei Lieblingsentrepreneure. Nun ist Rebecca nicht T. Sarrazin, sie weiß, so wollen wir ihr unterstellen, dass das schlechterdings biologisch ebenfalls nicht möglich ist. Metaphorisch natürlich schon, denn ihr geht es um der beiden Väter, die nach dem Krieg das Land wieder aufgebaut haben.

Wer an dieser Stelle dem Brechreiz standhält, kommt in den Genuss einer eindrucksvollen Schilderung des ersten Treffens der beiden Feinripp-Sacco-und-Vanzettis. Nach einem ersten Treffen wurden gleich mal nicht viel Worte gemacht, es wurden keine Konzepte geschrieben und keine Umsatzprognosen verfasst. Die beiden vertrauten einander instinktiv und kamen schnell überein, die Arbeiterwäsche wieder herzustellen,… So schön und unkompliziert kann der Kapitalismus sein, sofern man mal das Einmaleins der Betriebswirtschaft außen vor lässt und die Dinge um ihrer selbst Willen tut. Wenn das mal keine urdeutschen Tugenden sind.

Rebecca ist übrigens mit Frank, seines Zeichens Herausgeber der FAZ, verheiratet. Gerüchterweise wollte sie das Rührstück ursprünglich dort publizieren. Ihr Ehemann grübelt allerdings seit geraumer Zeit darüber nach, ob die Linke, was immer er sich darunter vorstellt, nicht doch Recht hat und lehnte in einem Anfall häuslicher Streitsucht ihr Ansinnen ab.
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Die Poesie der Auslassung

15. September 2011 Kommentare ausgeschaltet

Peter Münch, der große Lyriker in Diensten der Süddeutschen Zeitung, hat, wie er es im Moment fast täglich tun darf, die Situation im Nahen Osten „analysiert“. Seinen eindrücklichen Beschreibungen der Lebensrealitäten vor Ort mangelt es niemals an Empathie für die „unterdrückten Palästinenser“, er ist schließlich in Tel Aviv stationiert und weiß somit, wovon er spricht und schreibt. Bei ihm ist die Gaza-Flottille noch ein aufrechter Versuch, den geschundenen, Hamas wählenden und Israel von der Landkarte fantasierenden Bewohnern des Küstenstreifens beizustehen, weshalb er bei dem Begriff „Hilfskonvoi“ auch ohne Anführungszeichen auskommt. Münchs Stärke liegt bei der gesamten Thematik, die ja eine recht komplexe sein kann, in der Kunst der Auslassung, in der Reduktion auf jene Teile seiner Wirklichkeit, die der durchschnittliche SZ-Leser zu goutieren weiß.

Während die Palästinensische Führung, zumindest mal die Hälfte davon, die staatliche Anerkennung in der UN vorantreibt, ruft die Fatah zu einem „Tag des nationalen Kampfes“ auf. Münch darf und/oder muss darüber berichten und schon im Subtitel wird unmissverständlich klar gemacht, wer hier eigentlich wen bedroht: „Die Palästinenser im Westjordanland kündigen gewaltfreie Demonstrationen an, die israelischen Siedler rüsten sich mit Tränengas und Waffen“. Soweit, so Münch-typisch, und der Vorteil dieser „Berichterstattung“ ist dann natürlich, dass man den folgenden Artikel gar nicht zu lesen braucht, um sich mental auf die richtige Seite zu schlagen oder wahlweise an den Kopf zu fassen. Liest man den Bodytext dennoch, erlebt man ein Rührstück à la Tel-Aviv-Peter: Wir lernen Issa Amro kennen, einen aufrechten Aktivisten und Organisator des „gewaltlosen Widerstands“ in Hebron, der seines Zeichens aber auch ein ganz klein wenig Angst hat, dass das Ganze nicht so friedlich bleibt, wie das ganze Westjordanland und der Korrespondent der SZ es herbeiwünschen. Immerhin mobilisiert Israel ganze Reservisten-Bataillone und die Siedler… siehe Subtitel. Wenn es bei Pistol-Peter um mögliche Angriffe auf nahegelegene jüdische Siedlungen geht, wird es dagegen wohlig unbestimmt: sie „könnten sehr leicht in den Mittelpunkt der Proteste geraten“, einer Naturkatastrophe gleich. Oder weniger dramatisch: wie Ebbe und Flut. Keine Subjekte mehr, die Dinge initiieren, tun, bewusst in Angriff nehmen (im wahrsten Sinne des Wortes), nur noch Dinge, die geschehen. PM vergisst an dieser Stelle natürlich auch nicht zu erwähnen, dass die nächste und größte Siedlung, Kirjat Arba, international angeblich als illegal gilt und liefert somit schon im Vorfeld die Begründung für folgerichtige palästinensische Aktionen am nationalen Kampftag.

Weil die SZ aber wohl eine feine Trennlinie zwischen lediglich tendenziös und völlig durchgeknallt vorgibt, greift der ergriffene Nahost-Poet Münch in seine Trickkiste und zaubert „gewaltbereite Kräfte auf beiden Seiten“ aus dem Hut. Puuuh, so ist man wenigstens davor gefeit, wieder mit der „Antisemitismuskeule“ traktiert zu werden.

„…und in diesem Sommer hatten bereits zwei Demonstrationen an Israels nördlichen Grenzen in einem Blutbad geendet“ schreibt Münch dann kurz vor Ende seiner Reihung von Issa „the peace loving activist“ Amro-Zitaten, die doch eigentlich nur seine eigenen Wünsche spiegeln. Natürlich vergisst er, bei seinem Hinweis auf die beiden „Blutbäder“ den Kontext der versuchten Grenzerstürmung zu erwähnen. Man muss ja auch nicht alles auf einmal erzählen. Insofern kann man sich auf die nächsten Münchiaden freuen, sie kommen mit Sicherheit…
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Die Logik des Krawalls

14. August 2011 Kommentare ausgeschaltet

Warum schlagen Leute Schaufensterscheiben ein, sind an keinem guten Verhältnis zu Polizei und Staatsgewalt interessiert und können auf Nachfrage keine zitierfähigen Forderungen nennen? Wenigstens die Frankfurter Allgemeine am Sonntag hat einige einigermaßen vernünftige Anmerkungen zu den Vorgängen in England parat:

FAS:
Wo liegen die Ursachen der Randale in Großbritannien? Das britische Bildungsbürgertum spricht den Aufrührern alles Politische ab. Tatsächlich rufen die Randalierer in London keine politischen Parolen. Also alles nur Lust am Chaos?

Wenn es in den Weltmetropolen wieder mal knallt, wenn Scheiben splittern und Autos brennen, dann fragt der interessierte Teil der Menschheit nach den Ursachen für die Krawalle. In England ist die Diagnose bereits gestellt: Der Aufruhr sei schlichtweg das Resultat moralischer Verkommenheit, so ist es von rechts nach links quer durch das britische Bildungsbürgertum zu hören, das den Aufrührern alles Politische abspricht. Menschen, die das eigene Viertel abfackeln, statt die Vorgärten der Reichen umzupflügen. Pöbel, der Tante-Emma-Läden stürmt statt die Banken des Großkapitals. Plünderer, die sich im Rauch der Supermarkt-Ruine den Einkaufswagen vollpacken, anstatt im Pullunder politische Parolen vor das Parlament zu tragen, so wie sich das gehört: das sei das Gesicht des Nihilismus.

Nichts, aber auch gar nichts an den Randalen sei dem Umstand geschuldet, dass Britannien, eine Nation im Defizit, jüngst die schärfsten Haushaltskürzungen in seiner Geschichte beschlossen hat und einem Zeitalter der Austerität entgegenblickt. Kistenweise haben die Plünderer aus den eingeschlagenen Apothekenfenstern Durchfallpillen getragen, weil sie Imodium nicht von Amphetaminen unterscheiden konnten. Mangels Betroffenheit könne es diesen Leuten also kaum um die Verdreifachung der Studiengebühren gehen, höhnt es nun. Nicht Verelendung, sondern Lust am Chaos führe in Hackney und Croydon Regie.

Diese Logik ist seltsam. Wer die Ursachen von politisch motivierten Krawallen studiert, stellt fest: Wer mit Steinen wirft, muss zuvor nicht Brecht gelesen haben. Ob sich Menschen gewaltsam gegen den Staat auflehnen oder nicht, entscheiden zunächst allein zwei Faktoren: Das Risiko, verhaftet zu werden. Das ist in Städten wie London geringer als etwa auf dem Lande. Sekundenschnelle Kommunikation per Handy und Facebook vereinfacht die Zusammenrottung, was in England die Randale begünstigt hat. Die andere Triebfeder von Aufständen, hat der Harvard-Ökonom Ed Glaeser herausgefunden, ist Arbeitslosigkeit – dann ist die Gefahr, durch den zeitraubenden und riskanten Aufruhr Job und Gehalt zu verlieren, nicht gegeben. In England ist jeder fünfte Jugendliche arbeitslos.

Das Gesicht von Perspektivlosigkeit

Dass für deren Gewaltausbruch das Extremsparen der Regierung nicht die Ursache gewesen sei, wäre die empirische Ausnahme. Der Wirtschaftshistoriker Hans-Joachim Voth hat soziale Unruhen der vergangenen 90 Jahre in Europa untersucht. Ergebnis: Wenn der Staat seine Ausgaben um einen Prozentpunkt kürzt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Demonstrationen, Aufständen und revolutionären Umstürzen kommt, um das Eineinhalbfache.

Dass die „Chavs“ in Hackney, die ungebildeten Jugendlichen in Jogginghosen, nicht von höheren Studiengebühren betroffen sind, weil sie nicht studieren, ist dabei unerheblich. Aufrührer müssen nicht zugleich Opfer sein. Vielmehr dürfte es sich um das Gefühl der Ungerechtigkeit einer immer undurchlässigeren Gesellschaft handeln, das der explosiven Stimmung den Boden bereitet: der Eindruck, abgehängt zu sein. Knallt es aus irgendeinem Grund, liefert das Sparprogramm der Regierung den Zündstoff, der auch das Nachbarhaus in Brand steckt. Das eigene Lebensumfeld zerstören wie in Hackney – das ist kein Nihilismus, das ist das Gesicht von Perspektivlosigkeit.

Die Abgehängten rufen keine politischen Parolen, tragen keine Transparente – was sollten sie darauf auch fordern? Zum bestehenden System, das ist seit 20 Jahren klar, gibt es keine Alternative, die eine Chance hat, verwirklicht zu werden. Auch die Finanzkrise hat daran nichts geändert, das hat mittlerweile auch der Dümmste begriffen – und reißt im Laden den Plasmafernseher von der Wand.

Sich holen, was zu kriegen ist. Das ist die Logik dieses Krawalls.
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Korrekturen am „Hinterland“

6. Januar 2011 Kommentare ausgeschaltet

Das „Hinterland-Magazin“ des bayrischen Flüchtlingsrates hat die jüngste Ausgabe Afrika gewidmet. Dabei liest man manche interessante Meinung und leider auch einigen Unfug.
So wird im Artikel „Panafrikanismus reloaded“ vom „Arbeitskreis Panafrikanismus München“ eine Neuauflage des Panafrikanismus vorgeschlagen, die im Prinzip die gleiche Leier des dagewesenen auflegt und nicht ohne alte Helden auskommt. Da wird das Loblied auf Kwame Nkrumah gesungen, der einst Ghana in die Unabhängigkeit geführt habe. Wie groß Nkrumahs Verdienst daran tatsächlich war, ist umstritten. Dass er das Land Goldküste nach dem alten Königreich Gana benannte war schon Ausdruck einer Großmannssucht, die sich im späteren Verlauf seiner Herrschaft ausprägte. Im Rahmen der „Unification“, das Hauptargument aller späteren afrikanischen Diktatoren, wurden Gewerkschaften aufgelöst und Jugendorganisationen zu staatstreuen Spitzelsystemen umfunktioniert. In der „Hinterland“ wird dies einfach verschwiegen:

„Nkrumah war ein unermüdlicher Streiter für die Befreiung des ganzen afrikanischen Kontinents von geistiger Sklaverei, politischer Fremdherrschaft und wirtschaftlicher Ausbeutung. Durch seine Bemühungen wurde die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, heute AU) gegründet. Nach Meinung Nkrumahs ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit nur durch die Einheit aller afrikanischen Länder möglich. Auf dem Gründungstreffen der OAU 1963 sagte er: „Die afrikanische Einheit ist in erster Linie ein politisches Königreich, welches nur durch politische Instrumente erreicht werden kann. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas wird ausschließlich innerhalb dieses Königreichs stattfinden und nicht andersherum.“

Wie ein solches Königreich funktioniert wurde spätestens 2009 in Ghana noch einmal demonstriert: Von einigen finanziell hörig gemachten Chiefs und Königen wurde Muama Gaddafi, der Diktator Libyens, zum „König von Afrika“ gekrönt. (1, 2) Die demokratische Mehrheit Ghanas wählte indessen den westlichen Antagonisten zum Popstar, Sexsymbol und virtuellen Präsidenten Afrikas: Barak Obama.

Die Parole „Africa Unite“ ist eine der Eliten und Afroromantiker. Der Mehrheit auf der Straße sind bereits die Nachbarregionen suspekt oder unbekannt, manche halten ihren Landstrich für ganz Afrika und Europa für ein Nachbarland. Sie wissen zudem genau, was sie von einer Regierung eines geeinten Afrika zu erwarten hätten: noch mehr Korruption. Auf den beliebten Kongressen werden vor allem „Wir“-Formeln gewälzt und autoritäre Charaktere durchdekliniert. Von einer Emanzipation der Individuen liest man wenig, es geht um „our culture“ und „Tradition“. Diese Parolen dichteten Afrika immer dort ab, wo es am reaktionärsten war und am lautesten hört man sie von jenen, die am meisten von der Ablenkung eines Klassebewusstseins hin zu einem nationalistischen panafrikanistischen Antiimperialismus und traditionalistischen Bauchpinseln und Zeremonienhubern profitieren. Ein wirklich fortschrittliches Afrika wird nicht geeint sein, sondern ein diversifiziertes, in dem Verschiedenheit ohne Angst möglich sein wird. Und dafür wiederum gibt es doch in nicht wenigen Staaten Afrikas starke Hoffnungen.

Ein anderer Artikel mit dem Titel „Arm, krank, abhängig“ täuscht ebenfalls über Realitäten hinweg. Richtig wird noch darauf verwiesen, dass Afrika nicht arm sei, sondern „verarmt“. Zu gut bekannt ist Nigerias Absturz von einer der größten Ökonomien der Welt zu einer pauperisierten Brutstätte von Gewalt und Korruption. Leider folgt die übliche Verschwörungstheorie:

„Die Massenmedien berichten nicht, worum es in vielen Konflikten wirklich geht, weil das die westliche Gesellschaft moralisch erschüttern würde. Es wird Krieg geführt, damit die Industrie weiter produzieren kann, damit die Waffen weiter verkauft werden, damit ihre Bevölkerung zur Arbeit gehen kann, damit ihre Bevölkerung zufrieden bleibt. So verhindert man Unruhe bei sich, damit man weiter regieren kann, oder um im kleinen Kreis, zum Beispiel der G8, die Welt weiter zu regieren. Es wird kaum berichtet, dass es im Kongo Kindersoldaten und -soldatinnen geben muss, damit die Kinder hier Handys tragen können. Die Hutu und Tutsi haben nicht ohne Grund gegeneinander gekämpft, aber es wird nicht über die Mitverantwortung der Regierungen in Deutschland, Frankreich, Belgien und der UNO geredet.“

Ein solcher Jargon macht noch jede afrikanische Gräueltat zum Agenten westlicher Interessen. Das entmündigt Afrikaner auf eine perfide Art und Weise: die Intelligenz und Kreativität, die für jene bösen Taten nötig ist, wird ihnen abgesprochen und den verschwörerischen Weißen zugeschlagen, die naive Afrikaner zu solchen entsetzlichen Taten regelrecht ausbilden müssten. Dieses naivisierte Bild Afrikas ist nicht weniger rassistisch als das jenes, das die Konflikte dort auf die Hautfarbe zurückführt: es blendet die Fähigkeit zur extremen Aggression aus, entmenschlicht Afrikaner zu passiven, Befehlsempfängern westlicher Verschwörungszentralen. Kein Kind „muss“ zum Kindersoldat werden, damit „die Kinder hier Handys“ haben. Abgesehen davon hat virtuell jeder Afrikaner und auch viele ihrer Kinder ein Mobiltelefon. Der Rohstoffreichtum bedeutet eben nicht Afrikas Fluch, weil die westlichen Demokratien ihr perfides Spiel damit treiben würden (was sie sicherlich auch taten und tun in ihrer Kollaboration mit afrikanischen Diktatoren), sondern weil Rohstoffe ohne angeschlossene Industrie eine starke Verteilungstendenz bedingen und staatliche Strukturen sowohl stärken als auch korrumpieren und dies erst recht, wenn die Einheits- und Harmonieideologie so stark ist wie in Afrika. Leider ist mit der Parole des Informationszeitalters und dem gleichzeitigen Fokus auf Rohstoffe wie Erdöl außer Acht geraten, was Marx und andere als wesentliche Grundlage für die Wertschöpfung herausstellen: Die Hinzufügung menschlicher Arbeitskraft zu Rohstoffen. Und die funktioniert gerade im Informationszeitalter über Industrien. Das immerhin hatte Nkrumah noch verstanden.

weiteres interessantes Material und gleichzeitig die Quelle dieses Textes:
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Böse Menschen haben keine Lieder…

4. Dezember 2010 Kommentare ausgeschaltet


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Eine neue Hamas-Offensive

29. Oktober 2010 Kommentare ausgeschaltet

Seit ihrer Machtergreifung im Gazastreifen versucht die Islamistenorganisation, die dortige Zivilgesellschaft unter ihre Kontrolle zu bringen. Wer sich gegen die vielen Gleichschaltungsversuche zur Wehr setzt, muss mit einem Besuch der Sicherheitskräfte rechnen.

Es war gegen Mittag, als die Männer in Zivil in den fünften Stock des Hochhauses in Gaza-Stadt stürmten. „Sie forderten uns auf, das Büro zu schließen, nach Hause zu gehen und niemandem davon zu erzählen“, sagt Sami Ajrami. Zuvor hatten die Männer ihre Dienstmarken vorgezeigt, die sie als Mitarbeiter der „Inneren Sicherheit“ der Hamas-Regierung auswiesen. Das „Journalists‘ Syndicate“ war nicht die einzige Organisation, die sie in diesen Tagen in Gaza aufsuchten. Auch zwei Bauernverbände und eine Frauenorganisation schlossen sie innerhalb nur einer Woche. Die in Gaza herrschenden Islamisten haben offenbar mit dem Sturm auf die letzten Bastionen begonnen, die sich nach der gewaltsamen Machtergreifung der Hamas im Sommer 2007 noch nicht gleichschalten ließen: Säkulare, Unabhängige und vor allem die letzten Reste der einst auch in Gaza regierenden Fatah-Organisation sind der Hamas ein Dorn im Auge.

So setzte die Regierung im Sommer ein Dekret in Kraft, das es allen Angestellten und Beamten der Autonomiebehörde in Gaza verbietet, Mitglieder in Vereinen und anderen Nichtregierungsorganisationen zu sein – weder aktiv im Vorstand noch als Freiwillige. Denn an der Spitze der Autonomiebehörde in Ramallah steht der Fatah-Vorsitzende Abbas, und seit Jahren tobt ein immer wieder blutig ausgetragener Bruderkrieg zwischen den beiden Palästinensergruppen. Fast alle der mehr als 60 000 Beamten, die ihr Gehalt von der Autonomiebehörde bekommen, hat die Hamas schon entlassen. Sie ersetzte sie durch neue Mitarbeiter, die sich aus Dankbarkeit für die Arbeitsstelle den Islamisten verpflichtet fühlen.

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Was mit Medien! Das digitale Lumpenproletariat

29. Oktober 2010 Kommentare ausgeschaltet

Direkt nach Modeln ist der begehrteste Beruf aller Deutschen zwischen zehn und vierzig: Kabelschleppen beim WDR. Denn wenn man erst einmal ein Bein drin hat, dann ist man ganz nah am Nirwana der deutschen Geisteselite, dem Job, aus dem die Träume sind: Was mit Medien. Natürlich kommt man zum WDR nur, wenn man vorher bei der Zeit eine zeitlang am Kopierer stand und bei der Zeit am Kopierer stehen darf man nur, wenn die Mutter mit dem Leiter der Prekariatsabteilung im Kindergarten war. Oder aber man hat vorher beim SWR Toiletten geschrubbt, eine leicht zu erlangende Tätigkeit, hat man zuvor Tassen gespült beim Mitteldeutschen Rundfunk. Oder der Vater hat einst Skat gekloppt mit dem Leiter der Aufnahmeleitung, dann kann man auch auf das Drogenbesorgen für die Redakteure des Lokalblättchens verzichten. Es ist nicht leicht, zu den begehrten Fernsehsendern zu kommen, nicht einmal umsonst und das, obwohl es nicht ganz wenige Umsonststellen gibt im TV. Ralf Becker, Geschäftsführer des Medienconsultingunternehmens Mediarise, erläutert im Gespräch mit Meedia.de, dass „fast jeder vierte Mitarbeiter (…) Praktikant, Volontär oder freier Mitarbeiter“ sei. Freier Mitarbeiter heißt übrigens: frei von Rechten und guter Bezahlung.

Eine ganze Branche lebt von freiwilliger Umsonstarbeit – wäre das nicht auch ein Konzept für die Autoindustrie? Früher brauchte man für Sklaven noch Fußketten und Aufseher, heute reichen Motivational Speeches und die Möglichkeit, den Chef zu duzen. In meiner Kindheit waren Medien nicht verheißungsvoll, Fernsehen nicht besonders glamourös. Zwar gab es Showmaster, Showgirls und Showtreppen, aber alles sah aus, als sei es vom Bundesamt für Unterhaltung und Freizeitvergnügen konzipiert, vom Unterausschuss Bewegtbild vertagt und von der Arbeitsbrigade Frohes Schaffen schließlich zehn Jahre zu spät umgesetzt worden. Wir hatten ja nichts, nur die Spex. Und die haben wir nie verstanden.

Was macht also die Medien so verführerisch? Geld kann es nicht sein. Es ist die ungeheure Identifikation mit der Tätigkeit, der niemals enden wollende Spaß. Denn Spaß und Identifikation, das sind in einer unterfinanzierten Zeit die neue Leitwährungen. Geldfluss wird zum Ausnahmefall.

Erstaunlich klassisch geht es bei Textprovider zu, der Agentur, die für das Portal Einkaufswelt von T-Online tausend fingierte Nutzerkommentare verfasst hat.

Dort wird eine Leistung (Zitat aus der Unternehmensdarstellung von Textprovider: „Die Texte müssen nach einem bestimmten Leitfaden (Briefing) erstellt werden, welches Sie in der ersten Mail erhalten. Sie sollen beispielsweise eine bestimmte Länge aufweisen (…) oder eine gewisse Anzahl von Keywords beinhalten. Diese Keywords werden von unseren Kunden vorgegeben und entsprechen in der Regel den Suchbegriffen, die Suchende im Internet in das Suchfeld bei Suchmaschinen (z.B.: Google) eingeben.“) gegen Geld getauscht (Zitat: „Wie ist das mit der Bezahlung?– Geld gegen Vorlage“). Echtes Geld! Gegen Worte! Viel Geld wird es nicht sein, aber dafür ist immerhin die Berufsbezeichnung der Keywordauflister: Texter und Lektoren. Warum nicht gleich Großsschriftsteller und intellektueller Vorreiter?

Der Trend zur bargeldlosen Berufsarbeit hat durch das Web 2.0 einen gewaltigen Schub erhalten. Für zwei Jahre hat mein Freund K. bei einem Online-Magazin gearbeitet. Sein Chef hatte einen Messias-Komplex und beherrschte den Tom Sawyer-Trick. Tom Sawyer macht seinen Freunden weis, er mache die Arbeit an dem Zaun, den seine Tante Polly ihn zur Strafe streichen lässt, mit großer Freude. Am Ende hat er einen gut erhaltenen „Drachen, eine tote Ratte, zwölf Murmeln, eine blaue Glasscherbe zum Durchsehen und vieles mehr.“ Alles Reichtümer, die seine Freunde ihm überlassen haben für das Privileg, den Zaun streichen zu dürfen.

K. war unwahrscheinlich stolz, für dieses Magazin zu arbeiten. „Ich bin Teil einer Medienrevolution“, sagte er damals. Das einzig Revolutionäre an dem Magazin war, dass allein der Chef daran verdiente.

K. tüftelte tagein tagaus an der Seite und wurde mit einem Bürostuhl belohnt. Er schrieb kleine Artikel und bekam Applaus, manchmal gab es auch ein High Five. Die Zahl der Klicks war sein Lohn, die freundlichen Kommentare sein Brot.

Dann fiel im irgendwann auf, dass man Kommentare nicht essen kann und er fragte Tom Sawyer, ob er nicht einen Anteil an den Werbeeinnahmen haben könne. „Immer geht es nur ums Geld“, seufzte Tom und schaute auf seine iPhones. Dann rechnete er Karsten aus, dass der Point of Even noch nicht erreicht sei, es aber nur noch eine Frage der Zeit wäre, bis sie Spiegel Online überholt hätten. Und ob er nicht einen Riesenspaß hätte. „Du bist doch vorher auch zurecht gekommen, nimm doch jetzt die blöde Kohle nicht so wichtig, Dicker.“

Was Tom Sawyer im Kleinen machte, betreibt Arianna Huffington im großen Stil. Für ihr Blog Huffington Post schreiben über 3000 Blogger. Umsonst. Aus Enthusiasmus. Tretmühlen werden zu Jahrmarktsattraktionen. Autoren schreiben angeblich schlechter, wenn sie bezahlt werden. Allerdings vermieten Vermieter auch nachweislich schlechter, wenn sie nicht bezahlt werden. Ein ganz normaler Deal zwischen Online-Magazin und Autor sieht heute so aus: Ein Sponsor zahlt Hotel- und Reisekosten zu einem Ereignis, das Online-Magazin verlost die Möglichkeit, das Ereignis journalistisch zu begleiten, der Autor bewirbt sich öffentlich in den Kommentaren und wenn er Glück hat, dann darf er zu dem Ereignis fahren und darüber berichten. So sind alle glücklich: Der Magazinbetreiber bekommt kostenlose Artikel, der Sponsor gilt als Samariter und der Autor kann reisen, umsonst übernachten und auch noch da sein, wo er hinwill.

Die Artikel sind bei dieser Entstehungsgeschichte natürlich irgendwo zwischen so-la-la und unlesbar, aber mit etwas Suchmaschinenoptimierung kommen sowieso 50% der früher sogenannten Leser über Google, sehen, dass sie hier nicht das finden, was sie suchen und verschwinden wieder. Macht nichts, auch sie sind ein Klick. Geld fließt bei dieser Arbeitsweise natürlich nur zum Betreiber, aber Geld wird eben auch völlig überbewertet.

Vielleicht haben wir den Pyramidenbau ganz und gar falsch gesehen. Wahrscheinlich waren das keine Sklaven, die da die Steinquader transportierten. Das waren Bauern, die es einfach wunderbar fanden, an etwas Großem mitzuwirken.

(gesehen auf www.faz.net)