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Eine neue Hamas-Offensive

29. Oktober 2010

Seit ihrer Machtergreifung im Gazastreifen versucht die Islamistenorganisation, die dortige Zivilgesellschaft unter ihre Kontrolle zu bringen. Wer sich gegen die vielen Gleichschaltungsversuche zur Wehr setzt, muss mit einem Besuch der Sicherheitskräfte rechnen.

Es war gegen Mittag, als die Männer in Zivil in den fünften Stock des Hochhauses in Gaza-Stadt stürmten. „Sie forderten uns auf, das Büro zu schließen, nach Hause zu gehen und niemandem davon zu erzählen“, sagt Sami Ajrami. Zuvor hatten die Männer ihre Dienstmarken vorgezeigt, die sie als Mitarbeiter der „Inneren Sicherheit“ der Hamas-Regierung auswiesen. Das „Journalists‘ Syndicate“ war nicht die einzige Organisation, die sie in diesen Tagen in Gaza aufsuchten. Auch zwei Bauernverbände und eine Frauenorganisation schlossen sie innerhalb nur einer Woche. Die in Gaza herrschenden Islamisten haben offenbar mit dem Sturm auf die letzten Bastionen begonnen, die sich nach der gewaltsamen Machtergreifung der Hamas im Sommer 2007 noch nicht gleichschalten ließen: Säkulare, Unabhängige und vor allem die letzten Reste der einst auch in Gaza regierenden Fatah-Organisation sind der Hamas ein Dorn im Auge.

So setzte die Regierung im Sommer ein Dekret in Kraft, das es allen Angestellten und Beamten der Autonomiebehörde in Gaza verbietet, Mitglieder in Vereinen und anderen Nichtregierungsorganisationen zu sein – weder aktiv im Vorstand noch als Freiwillige. Denn an der Spitze der Autonomiebehörde in Ramallah steht der Fatah-Vorsitzende Abbas, und seit Jahren tobt ein immer wieder blutig ausgetragener Bruderkrieg zwischen den beiden Palästinensergruppen. Fast alle der mehr als 60 000 Beamten, die ihr Gehalt von der Autonomiebehörde bekommen, hat die Hamas schon entlassen. Sie ersetzte sie durch neue Mitarbeiter, die sich aus Dankbarkeit für die Arbeitsstelle den Islamisten verpflichtet fühlen.

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