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Freiheit für Doğan Akhanlı, einem Kämpfer für Völkerverständigung, Menschenrechte und gegen Antisemitismus

30. September 2010

Auch ThinkTank34 schließt sich dem Aufruf von haGalil an! (Aufruf findet sich im Artikel)

Uns ist bekannt geworden, dass der türkische, seit 19 Jahren in Köln lebende Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Doğan Akhanlı am 10. August in Istanbul verhaftet und in das Gefängnis in Tekirdag verbracht worden ist. Die Gründe, die für Akhanlıs Verhaftung vorgebracht wurden, sind offenkundig vollständig unbegründet und stellen eine außergewöhnlichen Verstoß gegen die Menschenrechte dar.

Als der Freiheit des Wortes verpflichtetes Internetmagazin können wir zu diesen willkürlichen Vorgängen nicht schweigen und protestieren entschieden gegen die Verhaftung dieser international angesehenen Persönlichkeit. Es handelt sich hier weder um eine innertürkische, noch eine rein juristische Angelegenheit. Angeklagt wird ein mutiger Schriftsteller, angegriffen wird aber auch die Glaubwürdigkeit der türkischen Justiz und universeller Werte…

Doğan Akhanlı hat sich in seinen Büchern und seinem konkreten pädagogischen Engagement in Köln immer entschieden und absolut glaubwürdig gegen jegliche Form von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit gewandt. Er macht seit sehr vielen Jahren ehrenamtlich Führungen im Kölner El-De Haus mit türkischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in denen er über die Verfolgung der Juden während der Zeit des Nationalsozialismus aufklärt. Weiterhin ist Doğan Akhanlı Initiator der jüdischen Raphael-Lemkin Bibliothek im Allerweltshaus Köln. Im Namen des Kölner Allerweltshauses hat er regelmäßig die internationalen Erklärungen gegen den antisemitischen, den demokratischen Staat Israel verhöhnenden „Al-QuudsTag“ unterzeichnet. Auch in seinen Büchern thematisiert er in vielfältiger Weise das jüdische Schicksal, dem er sich verbunden fühlt. Jegliche Form von Antisemitismus ist von ihm immer entschieden verurteilt worden. „Jeder muss sich mit dem Holocaust beschäftigen“, hat Akhanlı in einem Interview(taz, 17.11.2006) betont. Hierfür steht Doğan Akhanlıs Wirken!

Es sind zahlreiche Aspekte bekannt, die die angebliche Beteiligung Doğan Akhanlıs an einem Raubüberfall im Jahr 1989 als vollständig unglaubwürdig erscheinen lassen. Die vermeintlichen Zeugenaussagen sind unter Folter zustande gekommen und juristisch nicht haltbar, belastende Aussagen wurden 1992 unter Folter erzwungen, mehrere Verfahrensfehler wurden festgestellt, entlastendes Material wurde beim Verfahren nicht zugelassen. Dies alles wirft ein äußerst fragwürdiges Licht auf die türkischen Ermittlungsbehörden, auf die Ankläger und ihre Motive.

Wir sehen Akhanlıs Verhaftung im Zusammenhang mit den beschämenden Angriffen gegen seinen türkischen Kollegen Orhan Pamuk, der seinem Land die größte literarische Auszeichnung eingebracht hat, wie auch der mehrjährigen, völlig unbegründeten juristischen Angriffe gegen seine türkische Kollegin, die Soziologin Pınar Selek. Schriftsteller wie Nâzim Hikmet, Yaşar Kemal und Orhan Pamuk haben der türkischen Kultur mittels ihrer gedanklichen und künstlerischen Unabhängigkeit internationale Anerkennung verschafft.

Gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen und Freund, dem jüdischen Schriftsteller Edgar Hilsenrath, hat Doğan Akhanlı in seinen literarischen Werken – die sowohl auf türkisch als auch auf deutsch erschienen sind – an den Völkermord an den Armeniern erinnert. Doğan Akhanlıs Lebensweg vom politischen Flüchtling in Deutschland zum international angesehenen türkischen Schriftsteller wurde 2009 mit der Verleihung des Literaturpreises der türkischen Zeitung Hürriyet gewürdigt. Doğan Akhanlıs literarisches Schreiben ist zuvorderst Erinnerungsarbeit an die fürchterliche Verfolgung der Juden und der Armenier. Diese beeindruckende Erinnerungsarbeit hat in nachhaltiger Weise zur Versöhnung zwischen den Völkern beigetragen. Sie ist für Viele ein Vorbild.

Wir erklären uns solidarisch mit dem deutsch-türkischen Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Doğan Akhanlı, dessen Zivilcourage, dessen Engagement gegen den Antisemitismus uns beeindruckt hat. In diesem Sinne fordern wir die Rückkehr der türkischen Behörden zu rechtsstaatlichen Grundsätzen und die sofortige Freilassung unseres türkisch-deutschen Freundes und Kollegen Doğan Akhanlı. Die Verhaftung Doğan Akhanlıs ist ein politisches Verbrechen, ein Angriff gegen die Menschenrechte, der Versuch, demokratisches Engagement gegen Antisemitismus, für die Unteilbarkeit der Menschenrechte, zu kriminalisieren.

Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, sich unverzüglich und intensiv für den deutschen Staatsbürger Doğan Akhanlı einzusetzen.

Doğan Akhanlı muss unverzüglich freigelassen werden und in seine neue Heimatstadt Köln zurückkehren dürfen!

Pressemeldung haGalil v. 29.09.2010

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