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Mein Freund, der Taliban

12. Januar 2009

Einen Moment lang ist man als Frau erschrocken über den Vorschlag von Kurt Beck, mit den Taliban zu reden. Taliban, waren das nicht die, die Frauen auspeitschen, wenn diese zu frech durch den Sehschlitz der Ganzkörper-Burka blinzeln? Und Männer einsperren, deren Bärte so gotteslästerlich kurz sind wie der von Beck?

Als guter Mensch und Staatsbürger will man aber auch dem Frieden nicht mit kleinlichen emanzipatorischen Bedenken im Weg stehen. Umso beruhigender ist der Hinweis auf verschiedene Sorten von Taliban.

So wie es Worcestersoße nicht nur mit, sondern auch ohne Tabasco gibt, so gibt es auch den „moderaten“ Taliban. Erkennbar, laut Auswärtigem Amt, an der „Abkehr von Gewalt und Terrorismus und
Anerkennung von Demokratie und Rechtsstaat“.

Da kann man wirklich nicht meckern. Der moderate Taliban steht
fester auf dem Boden des Grundgesetzes als Christian Klar. Um ihn vom
fundamentalistischen Taliban zu trennen – der ungeübte Laie sieht im
Habitus keinen Unterschied -, brauchen wir nur noch einen Fragebogen,
der den Respekt gegenüber unserer Werteordnung abprüft. Beispielfrage:
„Wenn Ihr Kegelbruder aus der al-Kaida Ihre Tochter vergewaltigt, sind
Sie dann böse auf ihn? Oder töten Sie die Tochter?“ Der moderate
Taliban verstößt nur die Tochter und wirft den Amerikanern vor, seine
Ehre beschmutzt zu haben.

Es bleibt allerdings ein Problem: Der Taliban gilt in allen
Geschmacksrichtungen als eher intolerant gegenüber
Nicht-Allah-Gläubigen. Was, wenn er uns nicht glaubt, dass wir total
moderate Christen sind?

Quelle: Ines Zöttl, Financial Times Deutschland, www.ftd.de

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